Kennedy Space Center – einmal Weltraum und zurück

Nach zwei Tagen verlassen wir Orlando. Es folgt ein Highlight, auf das ich mich schon ewig freue: Das Kennedy Space Center. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt zurück an die Ostküste Floridas. Es geht vorbei an vielen kleinen Seen und weiten Landschaften. Kurz vor Cape Canaveral fahren wir direkt an der Küste entlang. Die Sonne strahlt, es sind wieder 30 Grad.

Wir bekommen auf dem riesigen Gelände einen Parkplatz zugewiesen. 10 Dollar kostet der hier. Die Karten konnten wir nicht im Internet kaufen. Die Schlange an der Kasse ist etwas länger, dafür sind die Mitarbeiterinnen unheimlich freundlich. Wir zahlen 50 Dollar pro Person und sehen uns zuerst den Rocket Garden an. Die ausgestellten Raketen sind beeindruckend. Zu jeder einzelnen gibt es ein paar Fakten und es wird sehr vereinfacht dargestellt, wie Raketen funktionieren. Der Herzmann, der auf dem Gebiet arbeitet, grinst zufrieden. Als er die kleine schwarze Gemini-Kapsel sieht, in der man mal Probesitzen kann, quetscht sich rückwärts hinein, ist aber mehr als einen Kopf zu groß. Ob die Kapsel maßstabsgetreu ist, wissen wir nicht 🙂

Florida_Kennedy Space Center_Rocket Garden

Etwas weiter kann man sich ein bisschen wie ein Astronaut fühlen, der durch den „Walkway“ in die Apollo-Kapsel gelangt. Man läuft durch das orangefarbene Gerüst  in den White Room, in dem zum letzten Mal alles gründlich gecheckt wird. In die originalgetreue Kapsel kann man nur reinschauen. Klaustrophobisch sollte man in jedem Fall nicht sein.

Florida_Kennedy Space Center_walkway

Wir bekommen in der prallen Sonne langsam einen Sonnenstich und gehen in die erste „Explore“-Halle. Dort wird sehr ausführlich die Geschichte der Raumfahrt beschrieben. Man kann ziemlich viel anfassen und ausprobieren. Ich saß zum Beispiel auf dem Mondauto und ließ mich mit Astronauten fotografieren. Der Mann drückte alle möglichen Knöpfe, um auf großen Bildschirmen zu erfahren, welche Gefahren im All lauern und was ein Astronaut tun oder lieber lassen sollte. Außerdem gibt es einen nachgebauten Kontrollraum aus Houston aus den 1960er Jahren. Es sind auch die unterschiedlichen Raumanzüge ausgestellt. Da hat sich wirklich einiges getan. Bei Taucheranzügen ist die Entwicklung genau andersherum. Waren sie zu Anfang unglaublich schwer und klobig, sind es heute nur noch dünne Neopren-Anzüge, die wie eine zweite Haut sitzen. Bei den Raumanzügen hatte ich das Gefühl, dass aus „Alufolie“ ganze Schlafsäcke wurden…

Florida_Kennedy Space Center_Explore

Florida_Kennedy Space Center_Astronauten

Uns knurrt der Magen und wir essen in der Sonne unsere Bagels mit Frischkäse (der ist in den USA sehr lecker, wir hatten sehr herzhaften mit Chili). Die durften wir mitnehmen. Man kann zwar auch hier wieder Fast Food kaufen, aber ich hatte auf die teuren Preise keine Lust. Wir schauen auf unseren Plan. Es gibt hier nämlich auch ein 3D-Kino, das zwei Filme anbietet. Wir wollen etwas über das Hubble-Teleskop sehen und beeilen uns. Der Film startet nämlich in 10 Minuten. Der Herzmann kauft noch mit großen Augen einen riesigen Pott Popcorn. Zu seiner großen Enttäuschung ist es gesalzen.

Der Film ist wirklich toll! Ich bin beeindruckt ob der Bilder. Als Mensch, der mit Grenzen aufwächst (das ist unser Garten; dort endet unsere Ortschaft; ab hier sind wir in einem anderen Bundesland; da vorne ist die deutsche Grenze), ist es einfach unbegreiflich, dass das Universum unendlich ist. Dass es Sterne und Planeten gibt, die Millionen Lichtjahre weit weg sind. Und dass es ein Teleskop gibt, das trotzdem Bilder von diesen Planeten machen kann. Nach etwa einer Stunde stehen wir wieder draußen und laufen zum National Astronaut Memorial. Es ist schlicht, aber bedrückend. Auf einzelnen Schildern kann man eine kurze Vita der verstorbenen Astronauten und ihre schicksalshafte Geschichte lesen.

Nach einer Weile des Gedenkens machen wir uns auf in Richtung Atlantis. Es ist die zweite große „Explore“-Halle. Direkt davor steht ein Space Transportation System. Allerdings ohne den Orbiter – also das Shuttle. Der Treibstofftank mit den beiden Feststoffraketen ragt etwa 50 Meter hoch in den Himmel hinauf. Mir bleibt der Mund offen stehen.

Florida_Kennedy Space Center_Space Transportation System

In der Halle laufen wir eine Art Rondell hoch. An den Wänden sind Zitate und Fotos von Ingenieuren, Sekretärinnen, Forschern, Maschinenbauern und Astronauten. Eben diejenigen, die mit dem Space Shuttle Programm zu tun hatten. Oben angekommen, müssen wir vor einer Art Kino warten. Nach 7 Minuten ist die Schlange hinter uns deutlich angewachsen. Die Türen gehen auf und wir gelangen in einen halbrunden Saal ohne Stühle. Es beginnt ein Film über das Space Shuttle Programm, der ein Mix aus originalen und nachgedrehten Bildern ist. Am Ende fährt mit einem Mal die Leinwand hoch und dahinter wird die Atlantis in voller Pracht sichtbar. Das kam völlig überraschend. Ich bin wieder einmal total platt und ganz euphorisch.

Orlando_Kennedy Space Center_Shuttle Atlantis

Es ist der echte Shuttle. Die Atlantis, die in 25 Jahren über 193 MILLIONEN Kilometer geflogen ist. Sie war insgesamt 33 Mal im Weltall. Ich fühle mich mit einem Mal ganz unbedeutend und klein. Ingenieure und Forscher haben wahnsinnige Arbeit geleistet, um Menschen ins All befördern zu können. Nur ganz wenige Leute sind dort oben gewesen. Sie forschen an unzähligen Experimenten und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel. Und ich bin nur ein kleiner, schnöder Schreiberling…

Florida_Kennedy Space Center_Orbiter AtlantisDer Frachtraum des Orbiters ist enorm. Die Crew hat nur den vorderen Teil, also die Schnauze, der Atlantis als „Wohnraum“ zur Verfügung. Die Frachtluken sind für die Schwerelosigkeit entwickelt worden. Vor allem die Scharniere sind auf der Erde so empfindlich, dass sie gestützt werden müssen und nur mit saugnapfähnlichen Vorrichtungen geöffnet werden können. Der Shuttle ist übrigens ein Gleiter. Bei der Landung muss also alles gut gehen, denn Düsen zünden und noch einmal durchstarten geht nicht…

Einer der vollautomatischen Roboterarme ist ausgefahren und man kann als Besucher einen guten Blick drauf werfen. Früher gab es Astronauten an Bord, die nur für die Steuerung dieses Roboterarms zuständig waren. Das Ding muss ziemlich kompliziert sein – vor allem ohne Gravitation. Das kann man auch gleich mal ausprobieren. Es gibt einige Computer, die in einen Cockpit-Nachbau eingebaut sind. Dort kann man ein paar Missionen ausprobieren. Das Ganze ist recht witzig, aber eher für Kinder gedacht. Sowieso ist hier häufig an die jüngeren Besucher gedacht worden. So kann man auch durch einen Nachbau der ISS krabbeln und sich anschauen, wie die Schlafkabinen und das Klo auf der Raumstation aussehen.

Florida_kennedy Space Center_ISS

Für Erwachsene gibt es auch noch was: einen Startsimulator. Das Ganze ist ziemlich aufregend gemacht. Ein echter Astronaut erklärt einem vorher, was bei einem Start genau passiert und sagt, dass dieser Simulator am ehesten an einen echten Launch rankomme. Wir sind also gespannt, als wir uns in die Sitze quetschen und uns anschnallen. Und dann gehts los. Wir werden 90 Grad senkrecht nach oben geklappt und dann „zünden“ die Raketen. Es ruckelt wirklich heftig. Ich kann meinen Kopf nicht auf dem kleinen Schaumstoffkissen halten. Der Astronaut erklärt, dass nun alle Raketen gezündet sind und wir abheben. Nach kurzer Zeit werden die Feststoffraketen an beiden Seiten abgelöst. Das Ruckeln lässt deutlich nach. Dann löst sich auch der Tank vom Shuttle und wir werden wieder in die normale Sitzposition gerückt. Das ist ganz clever gemacht, denn wir sind etwas nach vorn gebeugt und rutschen in unsere Gurte. Es fühlt sich wirklich ein wenig so an, als wären wir ein bisschen schwerelos. Ich fand die Simulation jedenfalls toll 🙂 Am Ende gibts noch ein Foto von uns in Raumanzügen mit NASA-Logo, die allerdings 10 Dollar kosten – wir lehnen dankend ab.

Als nächstes schauen wir uns den Souvenirshop an. Lauter Shuttles, Monde und Astronauten. Als Figuren, als Bausatz, auf T-Shirts und Hoodies. Wir kaufen allerdings nichts. Als wir aus dem Shop raus kommen, ist es schon halb fünf! In einer halben Stunde schließt das Kennedy Space Center. Wo ist bloß die Zeit geblieben? Wir wollten eigentlich noch mit einem Bus zu den großen Montagehallen fahren. Das schaffen wir heute einfach nicht mehr. Wir quatschen noch ein wenig mit Ute an der Information, die vor 30 Jahren aus Deutschland hierhergekommen ist. Und mit einem armen Würstchen, das sich bei 30 Grad in einen Raumanzug zwängen muss, machen wir ein letztes Abschlussfoto. Und da ist meine Speicherkarte tatsächlich voll!

Dann müssen wir auch schon das Gelände verlassen. Fazit: Es war toll und wirklich jeden Penny wert. Die Zeit war zu knapp, um sich alles anzuschauen. Die Karten sind zwei Tage gültig, was wir aber leider nicht nutzen konnten. Es ist hier auch ganz viel für Kinder dabei. Wir durften unheimlich viel anfassen und ausprobieren. Man kann sogar mit einem Astronauten Mittagessen! An manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefeninfo gewünscht. Grade für Leute vom Fach – wie den Herzmann – oder eben sehr interessierte Menschen – wie mich. Besonders schade ist, dass wir einen Raketen-Launch um ein paar Tage verpasst haben. Das hätte ich zu gern gesehen.

Fest steht: In einem zweiten Leben studiere ich was anderes (was vernünftiges – haha!) und fliege auch ins All!

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2 Kommentare

  1. moppilina · · Antwort

    Wahnsinn! Als eine, die sich total für das All interessiert mit allem was dazu gehört, beneide ich dich gerade ein wenig 😉

    Aber salziges Popcorn? Bahbahpfui!

    1. Es war wirklich grossartig! Das Kennedy Space Center lohnt sich echt!
      Ich esse salziges Popcorn ganz gern. Aber der Herzmann findet es auch scheusslich 🙂

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