Bibliotheksliebe

Laptop, Kugelschreiber und Unterlagen hole ich aus der Tasche. Oh, Wasser nicht vergessen! Trinke ich zu wenig, bekomme ich Kopfschmerzen. Den Rest verstaue ich in ein winziges, graues Schließfach. Ich schnappe mir meine Sachen, die allerliebste Freundin wartet schon auf mich – ich Trödelliese. Gemeinsam gehen wir in die „Bibo“. Es ist, als tauchten wir in eine andere Welt hinein. Hinter den dicken Türen verschluckt uns die Stille. Schmal sind die Gänge zwischen den mannshohen Regalen. Auf ihnen reihen sich unzählige alte Bücher aneinander, lehnen sich schwerfällig an die Regalwände und ächzen, wenn eines hinausgezogen wird. Ab und zu hustet jemand. Tastaturtippen schwappt in Wellen an unsere Ohren. Wir suchen uns einen freien Platz.

Bibliothek_Bücher_Regal

Ich mag Bibliotheken. Ich mag es, von Büchern umgeben zu sein. Sie sind ein unermesslicher Schatz an Wissen, an Geschichte und Geschichten. Als ich ein Kind war, liebte ich es, mir die schönsten und interessantesten Bücher herauszusuchen, ihn ihnen zu blättern und sie dann zu Hause zu verschlingen. Heimlich, unter der Decke mit Taschenlampe, denn eigentlich war schon längst Schlafenszeit.

Als Studentin habe ich oft in Bibliotheken geflucht. Weil das eine Buch, das ich so dringend brauchte, ausgeliehen war, nicht an seinem Platz stand oder per Fernleihe erst einmal in die Studentenstadt geholt werden musste. Oder weil es die gesamte Publikation, die für meine Arbeit wichtig war, nur auf Italienisch gab. Manchmal habe ich auch geflucht, weil es einfach nichts zu meinem Thema gab, oder es so kompliziert geschrieben war, dass ich jedes dritte Wort nachschauen musste.

Bibliothek_Laptop

Als ich meine Magisterarbeit abgegeben hatte, waren diese Momente vergessen und ich etwas traurig. Die Bibliothekszeit war vorbei. Die reale Arbeitswelt nahm mich überfallartig in Beschlag.

Vier Jahre danach sitze ich wieder in der Bibo. Die allerliebste Freundin forscht und ich arbeite. Als Schreiberling kann ich einfach nicht nur zu Hause sitzen und arbeiten. Ich bin ein Rudeltier. Ich genieße es, gemeinsam Mittag zu essen, einen Kaffee zu trinken und etwas zu plauschen. Dazwischen wird konzentriert gearbeitet, ohne zu prokrastinieren. Ich genieße das grade sehr!

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4 Kommentare

  1. moppilina · · Antwort

    „Bibos“ sind toll. Früher war ich auch oft da. Die Atmosphäre fand ich immer super. Wie eine andere Welt in der man sich flüchten konnte, wenn die reale Welt zu laut wurde.

    1. Ja, das stimmt. Es ist eine andere Welt. Ich liebe das. 😉

  2. Sabine Depew · · Antwort

    Du hast die Atmosphäre schön eingefangen. Ich war auch oft dort, als Kind und Erwachsene. Bibos sind Rückzugsorte, Orte der Inspiration, Kreativorte. Bücher sind Freunde und in ihnen schlummern so viele Geheimnisse 🙂

    1. Sabine, das hast du so schön gesagt. Ich stimme voll und ganz zu 🙂 Ich habe auch das Gefühl, dass trotz digitalem Zeitalter, die Bibos gut besucht sind und Bücher nicht an Wert verloren haben.

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