[*.txt] dein

Die Sonne schien an dem Tag, an dem du dein Leben aufgegeben hast. Dein Lebenswille war erschöpft und deine Kräfte verbraucht. Dein Atem ging schwer und deine Augen waren ohne Glanz, als du mich angeschaut hast. Dein Kampf dauerte nicht lange, war aber heftig. Deine Medikamente wirkten nicht. Auch nach der Umstellung gab es keine Besserung. Wir verloren die Hoffnung. Nach jedem Arztbesuch ein wenig mehr. Dein Körper mergelte aus und schüttelte sich unter dem Niesen und Husten. Du hast viel geschlafen und wenig gegessen. Selbst dein Leibgericht hast du nicht mehr angerührt. Du hast gelitten, ganz leise.

An diesem schönen Tag, an dem die Sonne schien und die Vögel sangen, ging dein Leben zu Ende. Wir ließen dich gehen. Wir waren bei dir und haben dich begleitet, als dein Herz aufhörte zu schlagen.

Mit einem Mal war es still in dem Raum.

————————————————————————————————————————————————————-

[*.text] ist ein Blogprojekt von Dominik Leitner. Alle drei Wochen veröffentlicht er ein Wort, zu dem wir Mitwirkenden auf unserem Blog schreiben können, was wir wollen. gleich ist Dominiks sechstes Wort.

Advertisements

4 Kommentare

  1. moppilina · · Antwort

    Wahnsinn! Musste gerade wirklich weinen, weil mich der Text so an meine Oma erinnert hat, die 2010 gestorben ist.

    Lungenkrebs. Wir waren alle bei ihr. Sie durfte bei uns sterben. Schlief ohne Schmerzen einfach ein.

    1. Oh, das tut mir sehr leid. Aber sei dir sicher, dass sie gespürt hat, dass ihr da wart und deshalb zufrieden gehen konnte.
      Bei mir war es vor zwei Wochen meine Fellnase Lilly. Ich konnte erst jetzt da drüber schreiben. Aber es tat sehr gut und passte thematisch zum Blogprojekt von Dominik.

      1. moppilina · ·

        Ich wollte schon immer mal darüber im Blog schreiben. Hab es dann immer wieder gelassen. Aber ich glaube, dass das wohl doch irgendwann ein Artikel wird. Jährt sich im August wieder 😦

        Och, Mensch. Wenn Fellnasen gehen müssen ist das immer fies. Ich kenn das. Fühl dich mal ganz doll umarmt!

      2. Danke, das ist lieb. Die kleinen Tierchen wachsen einem ja schon sehr ans Herz. Da fällt der Abschied schwer, auch wenn es besser für sie war.
        Mir hilft es immer sehr, über traurige oder schwere Dinge zu schreiben. Ich verarbeite das dann besser und es befreit ungemein. In der Verhaltenstherapie nennt man das auch „therapeutisches Schreiben“. Es könnte dir auch gut tun. Du kannst dann ja überlegen, ob du es auch veröffentlichen magst oder es nur für dich allein behälst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: